Apertus, Euria und der Schweizer Weg zur digitalen Souveränität

TLDR: Infomaniak positioniert sich mit seinem Open-Source-Hosting und dem neuen Consumer-Produkt Euria als Schweizer Antwort auf ChatGPT & Co., transparent, DSGVO-konform, mit Abwärmenutzung in Genf. Das Schweizer Sprachmodell Apertus von ETH Zürich, EPFL und CSCS ist dabei das Aushängeschild für digitale Souveränität. Nur: Im selben Modell-Baukasten laufen auch chinesische Open-Source-Modelle wie Qwen und Kimi-K2.6, und die NZZ am Sonntag zeigte, dass Euria bei Taiwan die Position der chinesischen Regierung übernimmt. Souveränität ist bei Infomaniak keine Illusion, aber sie ist eine Wahl, die man aktiv treffen muss, nicht ein Standardzustand.

Zwei Produkte, eine Firma, ein Versprechen

Infomaniak, der Genfer Cloud-Anbieter, fährt seit diesem Jahr zwei parallele KI-Schienen. Die erste ist das Open-Source-Hosting unter infomaniak.com/hosting/ai-services: eine REST-API, über die Entwickler:innen und Unternehmen acht grosse Sprachmodelle, mehrere Reranking- und Embedding-Modelle, Whisper für Transkription sowie Photomaker und Flux für Bildbearbeitung ansprechen können. Ein Gratiskontingent von einer Million Credits erlaubt den Einstieg ohne Verpflichtung, danach wird nutzungsbasiert abgerechnet.

Die zweite Schiene ist Euria, seit Dezember 2025 live: ein Endnutzer-Chatbot, kostenlos in der Basisversion, kostenpflichtig erweitert über My-kSuite (19 CHF/Jahr) und kSuite Pro (22.90 CHF pro Nutzer:in/Jahr). Euria transkribiert, fasst zusammen, liest Bilder, entscheidet selbst über Websuche und bietet einen «flüchtigen Modus» ohne Datenspeicherung. Zielgruppen sind explizit Gesundheit, Bildung, Recht, Finanzen und Verwaltung, also Branchen, in denen Datenschutz kein Nice-to-have ist, sondern eine Vorschrift.

Beide Produkte verkaufen dasselbe Versprechen: Rechenzentren in der Schweiz, Verarbeitung nach Schweizer und europäischem Recht, kein Training mit Nutzerdaten. Das ist glaubwürdig, solange man nicht fragt, welches Modell im Hintergrund tatsächlich antwortet.

Apertus: das Modell, das die Souveränitätsdebatte trägt

Apertus ist die eigentliche Geschichte hinter der Geschichte. Entwickelt von ETH Zürich, EPFL und dem Swiss National Supercomputing Centre, mit Swisscom als strategischem Partner und finanziert über mehr als zehn Millionen GPU-Stunden, wurde das Modell am 2. September 2025 veröffentlicht. Es existiert in zwei Grössen, 8 und 70 Milliarden Parameter, trainiert auf 15 Billionen Token in über tausend Sprachen, darunter Schweizerdeutsch und Rätoromanisch. Vierzig Prozent der Trainingsdaten sind nicht-englisch.

Entscheidend ist nicht die Grösse, sondern die Offenlegung. Architektur, Gewichte, Trainingsdaten, Zwischenkontrollpunkte und Methodik liegen unter Apache-2.0-Lizenz vollständig offen, inklusive der Einhaltung europäischen Urheberrechts bei der Datenauswahl. Apertus gilt damit als erstes grosses Modell, das die Anforderungen des EU AI Act von Grund auf erfüllt, nicht nachträglich angepasst wurde. Die ETH selbst vergleicht das Vorhaben mit öffentlicher Infrastruktur, Strasse, Wasser, Strom, nur eben für Sprachmodelle.

Diese Transparenz ist kein Nebenaspekt. Sie ist der Unterschied zwischen einem Modell, dessen Verhalten man nachvollziehen kann, und einem, das man nur an seinen Antworten beurteilt.

Der Modell-Mix: wo die Souveränität (fast) aufhört

Genau hier wird es unbequem. Infomaniaks Modellpalette umfasst neben Apertus auch Kimi-K2.6 von Moonshot AI, Qwen 3.5 in zwei Grössen von Alibaba und weitere Modelle mit Ursprung ausserhalb Europas. Diese Modelle sind leistungsfähig und günstig zu betreiben, deshalb landen sie in fast jedem offenen Modell-Baukasten, auch bei Konkurrenzangeboten.

Das Problem ist nicht ihre Herkunft an sich, sondern was mit ihr mitkommt. Die Center for European Policy Analysis dokumentiert, dass chinesische Open-Source-Modelle wie Qwen und DeepSeek eingebaute Verhaltensanweisungen tragen, etwa Fragen zu China “positiv und konstruktiv, ohne Kritik” zu beantworten. Bei Kriegsthemen wie der Ukraine schieben manche dieser Modelle unaufgefordert chinesische Positionen nach. Über 2’800 Derivate von Qwen zirkulieren mittlerweile weltweit, oft ohne dass Entwickler:innen wissen, welche Vorprägung sie mit übernehmen.

Genau dieses Muster traf die NZZ am Sonntag bei Euria an: In einem Test bezeichnete der Chatbot Taiwan als “unveräusserlichen Teil Chinas”, also die offizielle Position Pekings, nicht eine neutrale Einordnung. Der Fund ist deshalb relevant, weil er nicht zeigt, dass Infomaniak lügt, sondern dass ein als souverän vermarktetes Produkt an einer geopolitisch heiklen Frage die Sprache eines fremden Staates übernimmt, ohne dass Nutzer:innen das ahnen.

Was das für Unternehmen und Nutzer:innen bedeutet

Die praktische Konsequenz ist einfach, wird aber selten befolgt: Souveränität ist bei Infomaniak keine Voreinstellung, sondern eine Auswahl im Dropdown-Menü. Wer über die API arbeitet, kann Apertus gezielt anfragen und damit tatsächlich europäisch bleiben, vom Trainingsdatensatz bis zur Antwortlogik. Wer den Standard-Chat von Euria nutzt, überlässt die Modellwahl der Plattform, und die kann je nach Anfrage bei einem chinesischen Modell landen.

Für Unternehmen in regulierten Branchen heisst das: Vor dem Einsatz eines “Schweizer” oder “europäischen” KI-Tools lohnt sich eine konkrete Frage an den Anbieter, welches Modell für welche Anfrageart tatsächlich läuft, und ob sich das fixieren lässt. Digitale Souveränität ist kein Label, das man kauft, sondern eine Konfigurationsentscheidung, die man treffen muss. Infomaniak liefert mit APERTUS dafür die Infrastruktur. Ob sie genutzt wird, entscheidet am Ende jede:r Nutzer:in selbst.

Und darum bin ich nach wie vor überzeugt: Die Zukunft gehört nicht mehr dem Tippen und Klicken, sondern dem gemAInsamen arbeiten mit intelligenten Systemen. Souveränität entsteht dabei nicht durch ein Herkunftslabel, sondern durch das Wissen, welches Modell wirklich für dich denkt, und die bewusste Entscheidung, welches das sein soll. Also wenn Du reden willst, und wenn Du mit mir zusammenarbeiten willst: melde Dich gerne

Disclaimer:

dieser Artikel wurde nach meinem eigenen Wissen und dann mit Recherchen mit KI (Perplexity.Ai und Gemini.Google.com) manuell zusammengestellt und mit Deepl.com/write vereinfacht. Der Text wird dann nochmals von zwei Personen meiner Wahl gelesen und kritisch hinterfragt. Das Bild stammt aus KI-generierter Bildgebung (Ideogram/Adobe Firefly). Dieser Artikel ist rein edukativ und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Bitte melde dich, wenn Du Ungenauigkeiten feststellst, danke.

Quellen und weitere Informationen

Center for European Policy Analysis. (2026). Chinese AI models spread propaganda globally. https://cepa.org/article/chinese-ai-models-spread-propaganda-globally/

ETH Zürich. (2025, 2. September). Apertus: A fully open, transparent, multilingual language model [Pressemitteilung]. https://ethz.ch/en/news-and-events/eth-news/news/2025/09/press-release-apertus-a-fully-open-transparent-multilingual-language-model.html

EPFL. (2025). Apertus: Ein offenes, transparentes und mehrsprachiges Sprachmodell. https://actu.epfl.ch/news/apertus-ein-offenes-transparentes-und-mehrsprachig/

Infomaniak. (o. D.). AI service – open source AI on demand via API, hosted in Europe. https://www.infomaniak.com/de/hosting/ai-services/open-source-models

Infomaniak. (o. D.). Euria – the sovereign AI. https://euria.infomaniak.com/

IT Magazine. (2025, Dezember). Infomaniak bringt auf Vertraulichkeit ausgelegte KI Euria. https://www.itmagazine.ch/artikel/86168/Infomaniak_bringt_auf_Vertraulichkeit_ausgelegte_KI_Euria.html

Bigdata-Insider. (o. D.). KI-Assistent Euria soll Wohnungen beheizen. https://www.bigdata-insider.de/ki-assistent-euria-soll-wohnungen-beheizen-a-0bf9b69148ee9a4e779537d777a44dba/

NZZ am Sonntag. (2026, Februar). Der Schweizer Chatbot Euria verbreitet die Ideologie der chinesischen Regierung. https://www.nzz.ch/nzz-am-sonntag/schweiz/die-schweizer-alternative-zu-chat-gpt-sagt-taiwan-ist-kein-unabhaengiges-land-es-ist-ein-unveraeusserlicher-teil-chinas-ld.1926690 [Originalartikel hinter Paywall, Datumsangabe aus Sekundärquelle rekonstruiert und nicht unabhängig verifiziert]

swissAI. (2026). Schweizer KI-Chats: sechzehn Angebote, drei Wege. https://www.swissai.ch/blog/schweizer-ki-chats

Wikipedia. (o. D.). Apertus (LLM). https://en.wikipedia.org/wiki/Apertus_(LLM) [ergänzende Quelle, keine Primärquelle]

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