Alles fake? So prüfst du, ob ein KI Bild echt ist

Vor drei Jahren war ein KI-generiertes Gesicht noch an der Plastikhaut erkennbar. Heute nicht mehr. Die aktuelle Generation von Bildgeneratoren produziert Porträts, bei denen selbst geübte Augen zweimal hinschauen müssen. Das ist kein akademisches Problem – sondern die Grundlage für eine wachsende Zahl an Betrugsmaschen.

Was KI-Bilder verrät

Bestimmte Merkmale treten bei KI-generierten Bildern regelmässig auf, auch wenn sie mit der Zeit seltener werden. Wer sie kennt, hat einen Vorsprung.

Die Augen sind der häufigste Schwachpunkt. KI-Modelle erzeugen oft Reflexionen, die in beiden Augen nicht übereinstimmen – ein physikalisch unmöglicher Zustand, den echte Fotos nie zeigen. Die Iris kann geometrisch zu regelmässig wirken. Beim Blinzeln entstehen in Videos oft unnatürliche Übergänge.

Haare und Hintergrund folgen direkt dahinter. Einzelne Haarsträhnen an den Rändern des Gesichts verschmelzen bei KI-Bildern manchmal mit dem Hintergrund oder verlieren abrupt ihre Struktur. Brillenrahmen verlaufen unsymmetrisch oder gehen ins Gesicht über. Hintergrundtexturen wirken gleichmässig, fast tapetenartig – echte Fotos haben immer Tiefenschärfe-Unregelmässigkeiten.

Hände und Ohren bleiben die grössten Schwachstellen der aktuellen Modelle. Finger haben zu viele oder zu wenige Glieder. Ohren sind anatomisch inkorrekt oder auf beiden Seiten unterschiedlich geformt.

Warum das wichtig ist

KI-gestützter Betrug hat 2025 in Deutschland alleine einen geschätzten Schaden von über 10 Milliarden Euro verursacht. Das Bundeskriminalamt dokumentiert einen Anstieg um über 300 Prozent seit 2023. Die Täter nutzen dabei gefälschte Gesichter für Romance Scam, erfundene Prominente für Anlagebetrug und täuschend echte Verwandte für digitale Varianten des Enkeltricks. Verbraucherzentrale-finanzen

Die EU-KI-Verordnung schreibt seit August 2025 vor, dass KI-generierte Bilder grundsätzlich als solche gekennzeichnet sein müssen. Kriminelle finden dennoch Wege, diese Pflicht zu umgehen – KI-Modelle auf lokaler Hardware erzeugen Bilder ohne jede Kennzeichnung. Die Kennzeichnungspflicht schützt also nur dort, wo sich die Akteure an Regeln halten. BSI

Tool für den Schnellcheck

Wer ein verdächtiges Bild nicht manuell analysieren will oder kann, findet unter echtcheck.ai ein kostenloses Werkzeug für den direkten Upload. Das Bild wird an einen spezialisierten Analysedienst (AI or Not) übermittelt, das Ergebnis erscheint innerhalb von Sekunden als Prozentwert. Keine Anmeldung, keine Speicherung der Bilder. Das Tool wurde bewusst für Menschen gebaut, die keine technischen Vorkenntnisse haben – grosse Schrift, einfache Sprache, verfügbar auf Deutsch, Französisch und Italienisch.

Grenzen der Erkennung

Kein Tool erkennt KI-Bilder mit 100-prozentiger Sicherheit. Die Modelle, die Bilder erzeugen, und die Modelle, die Bilder prüfen, befinden sich in einem permanenten Wettrüsten. Was heute erkannt wird, ist morgen vielleicht bereits verbessert. Der Wert solcher Tools liegt daher nicht in der Gewissheit, sondern in der Wahrscheinlichkeit: Ein Bild, das mit 94 Prozent als KI-generiert eingestuft wird, rechtfertigt Skepsis – unabhängig davon, ob die vier Prozent Restunsicherheit theoretisch bleiben.

Das menschliche Auge bleibt ein wichtiger Filter. Wer weiss, worauf er schaut, wird schneller misstrauisch – und das ist bereits die halbe Verteidigung.

Dieser Artikel wurde von Roger Basler de Roca verfasst. Er entwickelt Schulungsangebote zu KI-Kompetenz und Medienkritik für Unternehmen, Bildungsinstitutionen und öffentliche Organisationen. Das Tool echtcheck.ai ist unter dieser Adresse kostenlos zugänglich.

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