Souveränität durch KI Modularität: Warum Europa keine digitale KI Festung braucht

Verrückt eigentlich, dass es soviel brauchte, bis europäische Länder zusammenstehen…

Nein, ich meine nicht die geopolitische Situation Richtung Westen – wobei das sicher auch einen Einfluss auf unser Narrativ hat. Souveränität heisst entscheiden können, nicht sich abschotten. Das sehen wir jetzt deutlicher denn je.

Die Illusion der digitalen (KI) Autarkie

Ein vollständig europäischer Tech-Stack ist politisch eine starke Vision. Aber operativ? Sehr selten realistisch.

Was wir in der Praxis sehen, sind hybride Architekturen aus Open Source, US-Hyperscalern und gezielt eingesetzten europäischen Diensten. Und genau dort entscheidet sich echte Digital- und Technologiesouveränität.

Die Kernfrage ist nicht: “Ist alles europäisch?”

Die Kernfrage ist: “Können wir unsere Strategie weiterführen, wenn sich Spielregeln ändern oder ein Anbieter wegfällt?”

Gestaltungsmacht statt Abschottung

Es geht um Gestaltungsmacht. Europäische Ansätze zu Cloud- und KI-Souveränität setzen deshalb auf offene Standards, Open Source, portable Workloads und austauschbare Provider. Das Ziel ist, kritische Komponenten unter EU-Recht mit Transparenz und Exit-Optionen zu betreiben, selbst wenn andere Layer bewusst in globalen Stacks laufen.

Modularität ist dabei kein Technikdetail, sondern ein Governance-Prinzip.

In der Realität entstehen damit risikobasierte Mischungen: EU- oder souveräne Clouds für sensible Daten und kritische Workloads, US-Hyperscaler für Skalierung, Edge und Commodity-Services, Open-Source-Bausteine wie Kubernetes, Datenbanken oder LLMs als portable Kernschicht gegen Lock-in.

Weil souverän bist du dann, wenn du Schlüsselkomponenten juristisch, technisch und organisatorisch weiterbetreiben, migrieren oder ersetzen kannst.

Jeder Klick ist eine Architekturentscheidung

Damit wird jeder Klick zur Architekturentscheidung: Welche Module dürfen US-APIs sein? Wo brauchen wir europäische Kontrolle? Wo erzwingen GDPR, AI Act oder Datenräume klare Grenzen?

Souveränität entsteht nicht durch “alles europäisch”, sondern durch bewusste, modulare Entscheidungen mit Exit-Fähigkeit.

Das 4P-Prinzip: Souveränität durch Modularität

Ich habe dafür das 4P-Prinzip entwickelt:

Place – Wo laufen Daten und Services rechtlich und geografisch? Ziel ist EU-Recht, Datenresidenz und klar definierte Exit-Szenarien für kritische Komponenten.

Power – Wie gross ist die Abhängigkeit von Anbietern? Bevorzugt werden Open Source, Standard-APIs und portable Architekturen statt Lock-in.

Price – Was kostet es wirklich über den Lebenszyklus? Nicht nur Lizenzkosten zählen, sondern auch Egress, Migration und Wechselkosten.

Principles – Passt die Lösung zu Werten und Regulierung? GDPR- und AI-Act-Fit, Transparenz, Auditierbarkeit und sauberer Umgang mit Trainingsdaten.

Künstlich ist die Maschine, Intelligenz sollte vom Menschen kommen

Souverän bist du nicht durch Autarkie, sondern wenn du dank modularer Architektur jederzeit wechseln kannst – technisch, rechtlich und wirtschaftlich.

Autarkie ist eine Vision. Modularität ist ein Werkzeug. Gestaltungsmacht ist das Ziel.

Und genau diese Gestaltungsmacht macht den Unterschied zwischen digitaler Abhängigkeit und echter Souveränität. Nicht die Herkunft der Technologie entscheidet, sondern unsere Fähigkeit, bewusst zu wählen, zu wechseln und zu gestalten.

Denn am Ende gilt: Die Maschine ist künstlich, die Intelligenz sollte vom Menschen kommen.

Wenn das auch deine Werte sind, dann lass uns reden: Kontakt

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